Quartiersplanung: Sieben-Höfe-Straße, Tübingen
Konzeptionelle Entwurfsidee

In der Beschäftigung mit dem Ort haben wir ihn als eine Insel im Gefüge von Derendingen wahrgenommen. Nur durch eine offizielle Erschließung mit dem Stadtteil verbunden und in Senklage als niedrige Bebauung platziert ist das Areal räumlich nicht präsent. Die Nutzung nur als Wohnraum und dies weitestgehend für eine definierte Bevölkerungsgruppe trägt zudem zum Bild der Insellage bei. Dies als Ausgangslage nehmend verfolgen wir folgende Ziele mit unserem Beitrag:

• Auflösung der Insellage und Einbettung des Ortes in das Gefüge Derendingens

• Interpretation des Ortes als Teil von Derendingen nicht als eigenständiges Quartier

• Ausbildung einer räumlichen Präsenz und von Adressen

• Entwicklung einer räumlichen Basis aus Gebäuden für unterschiedlichste Lebensmodelle

• Typologische Weiterentwicklung der Hofkonglomerate Derendingens zu Gebäudeensemble

• Nachhaltige, kosten- und energieeffiziente Bauweise mit hohem Vorfertigungsgrad

• minimale Versiegelung bei zugleich kompakter Bebauung und ganzjährig nutzbare Freiräume

Städtebauliches Konzept

Das Areal wird nicht als eigenständiges Wohnquartier betrachtet sondern als Teil Derendingens. In diesem Sinne binden wir den Ort durch die Weiterführung der »Langen Furche« und die Wegebeziehungen zur Sieben-Höfe-Straße und Weinbergstraße in das öffentliche Netz ein. Wir heben das Bauland aus seiner Senklage und vermitteln zwischen den beiden in West-Ost-Richtung verlaufenden Straßen.

Zwischen Sieben-Höfe-Straße und Weinbergstraße entstehen entlang der »Langen Furche« sieben Gebäudeensemble, welche die Grundidee der Hofstellen Derendingens aufgreifen und die städtebauliche Grundordnung bilden. Die Gebäudeensembles und der öffentliche Raum der »Langen Furche« gliedern das Gebiet und bieten die gewünschte Bandbreite von öffentlichen, gemeinschaftlichen und privaten Räumen in Freiräumen wie gebauter Architektur. Die kompakte Bebauung ist somit eingebettet in ein vielfältiges und großzügiges Netz an Freiräumen. Die Grade der Zonierungen und Ausbildung der Schwellenräume können im weiteren Prozess und in der Aneignung durch die Bewohner*innen gestaltet werden.

Die neue Bebauung sollte in ihrer Architektur, den öffentlichen Freiräumen und den Nutzungsangeboten einen positiven Beitrag zu Derendingen leisten: Als neuer, aber nun integrierter und integrierender Baustein.

Freiraumkonzept & Mikroklima

Das Angebot an Freiflächen mit unterschiedlichen Qualitäten und Atmosphären bildet die Basis für eine ganzjährige Nutzbarkeit und die Schaffung von guten klimatischen Bedingungen. Bereiche unterschiedlicher Exponiertheit und Offenheit in den Gebäudeensembles, wie verschattete Bereiche, exponiertere Dachterrassen und gemeinschaftliche Gewächshäuser führen zu einem guten Mikroklima. Der großzügige Freiraum der »Langen Furche« in Ost-Westrichtung sorgt für eine gute Durchlüftung des gesamten Geländes. Durch intensive Dachbegrünungen und die Vermeidung von Tiefgaragen je Gebäude können wir die Versiegelung reduzieren, den Wasserablauf verzögern und durch Retentionsflächen in der »Langen Furche« vor Ort versickern.

In den Ensembles ist das Kernelement der vertikale Freiraum. Dieser übernimmt die Erschließung, ist aber nicht nur Weg- sondern auch Ortraum. Ausgehend vom Boden entwickelt er sich über Treppen, Plattformen auf die Dachflächen. Er verbindet die einzelnen Gebäude des Ensembles miteinander. Die Bewohner*innen definieren für sich, ob es ein großes Haus ist oder ein Konglomerat von mehreren kleinen Häusern. Alle Einheiten haben einen privaten Außenraum als Rückzugsort und definieren Raumschwellen für gemeinschaftliche Nutzungen zum vertikalen Freiraum hin.

Verfasser
Studio Urbane Strategien, koeber Landschaftsarchitektur
Team Studio Urbane Strategien
Martina Baum, Cristina Estanislao Molina, Richard Königsdorfer, Markus Vogl
Auftraggeber
GWG Tübingen mbH
Zeitraum
2021
Fläche / Bauvolumen
1,1 ha, ca. 11.000 qm BGF
Programm
städtebauliche Neuentwicklung eines Wohnquartiers mit gemeinschaftlichen Einrichtungen
Verfahren
nichtoffener städtebaulicher Wettbewerb, 3. Preis

Studio Urbane Strategien GmbH

Leipziger Platz 2
70197 Stuttgart

 

Prof. Dr. Martina Baum

 

Dipl.-Ing. Markus Vogl
Prof.tit. UBA,fadu

 

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Tel. 0711 31 55 03 93

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Universität Stuttgart, SuE: Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen

Walter Gropius Lehrstuhl DAAD FADU/UBA Buenos Aires